Eine Weihnachtsgeschichte meiner Kindheit:
Anderen etwas zu geben macht uns selbst reich

Weihnachten ist die Zeit für gemeinsame Traditionen. Lies hier die Lieblingsweihnachtsgeschichte meiner Kindheit mit einer wunderbaren Botschaft…

Weihnachten ist voller Magie. Und am wichtigsten ist die Magie, die man selbst schafft.

Astrid Lindgren

Ich liebe Geschichten. Und ganz besonders diese hier. Warum? Weil sie einerseits so fest mit meinen eigenen Erinnerungen an unsere Weihnachtsfeste verknüpft ist und andererseits, weil sie den Sinn von Weihnachten – denn Sinn des Gebens – auf einfache und kindgerechte Weise erklärt.
Weihnachten bedeutet für mich mehr geben als nehmen, in fröhliche Gesichter zu schauen, Überraschungen, Glücksmomente, Kinderlachen, großzügige Gesten, wunschlos glücklich zu sein, kleine und große Wunder.
Weihnachten erwärmt das Herz und bringt uns geliebten Menschen noch näher. Weihnachten ist Magie pur!

Anderen etwas zu geben, macht uns selbst reich.
Caro Weiß

Der Weihnachtsmann mit Brille und Glatze
von Mira Lobe*

Die Zwillingsschwestern Karla und Lotte hielten vier Wochen vor Weihnachten eine längere Beratung ab. Thema: die Geschenke! Das war nämlich gar nicht so einfach, denn es gab nur ein Sparschwein, dafür aber zahllose Verwandte. Karla und Lotte fertigten eine Liste an, mit der liefen sie in den Geschäften herum, kauften dies und jenes. Dann waren sie arm. Dabei fehlt jeder noch ein wichtiges Geschenk: Karla das für Lotte und Lotte das für Karla.
„Weißt du was“, sagte Karla, „wir beide schenken uns diesmal überhaupt nichts.“ „Abgemacht“, sagte Lotte. Übrigens wusste jede ganz genau, was sich die andere wünschte. Lotte wollte einen kleinen Sportwagen für ihre Puppe Lena haben. Karla wünscht sich einen zweiten Holzdackel; einen hatte sie schon, der hielt die Nase am Boden und den Schwanz in die Luft und sah lustig aus. Der zweite Dackel, den sie im Schaufenster gesehen hatte, hielt die Nase in die Luft und den Schwanz am Boden und war genauso lustig. Karla träumte von einem Dackelpärchen.
Einen Tag vor Weihnachten ging Lotte in den Laden, wo der Dackel immer noch im Schaufenster stand. Es war ein Geschäft, in dem man allerlei Sachen aus zweiter Hand kaufen konnte und auch tauschen konnte. „Bitte, was kostet der Dackel da im Fenster?“, fragte sie. Die Verkäuferin meinte den Preis. Er war viel höher, als Lotte gedacht hatte. „Nimmst du ihn oder nimmst du ihn nicht?“ fragte die Verkäuferin. „Danke, nein.“ Die Verkäuferin zuckte die Schultern und wandte sich ergiebigeren Kunden zu. „Warum denn so betrübt?“ fragte ein kleiner, freundlicher Herr mit Brille und Glatze. Er schien so etwas wie ein Aufseher zu sein. „Das ist ja wohl die Höhe, wenn Kinder einen Tag vor Weihnachten unglücklich sind. Versuch mal zu lachen.“ Lotte schüttelte den Kopf. „Wie soll ich denn lachen, wenn der Dackel so teuer ist?“ „Wie viel Geld hast du denn?“ „Gar keins.“ Der freundliche kleine Herr blinzelte die merkwürdige Käuferin ohne Geld durch die Brille an. „Hast du gemeint, du kriegst hier Dackel geschenkt?“
„Nein. das hatte sie nicht gemeint.“ „Hör mal“, sagte der freundliche Herr, „wir sind ja sozusagen ein Gelegenheits- und Tauschgeschäft. Vielleicht hast du was zum Tauschen?“ Lotte überlegte. „Ich könnte Lena bringen.“ „Wer ist Lena?“ „Meine Puppe. Kann ich Lena gegen den Deckel umtauschen?“ „Hol ihn her, dann werden wir sehen.“ „Wohnst du weit?“ „Nein, 10 Minuten von hier, Friedrich Straße 8.“ Eine Stunde später lag Lottes Puppe Violette alleine in ihrem Bett, dass sie bis jetzt mit Lena geteilt hatte. Lotte heulte ein bisschen. Es war doch sehr traurig, dass jetzt ein fremdes Mädchen mit ihrer Lena spielen würde… Den neuen Dackel versteckte sie im Regal.
Karla strolchte inzwischen in den Straßen herum, kämpfte mit sich und ging schließlich in das Tauschgeschäft hinein. „Haben Sie Sportwagen für Puppen?“ fragte sie. Der freundliche Herr betrachtete sie verblüfft. Es kam so vor, als habe er heute schon einmal mit einem ganz ähnlich aussehenden Mädchen zu tun gehabt. Richtig, die mit dem Dackel! „Wie groß ist die Puppe?“ „Ungefähr so“, zeigte Carla, „eine Babypuppe sie gehört meiner Schwester. Geld habe ich keins. Aber ich habe einen sehr hübschen Dackel zu Hause genauso einen wie sie im Schaufenster hatten.“ „Einen Dackel?“ fragte der freundliche Herr ahnungsvoll. „Ja, nur meiner hat die Nase unten und den Schwanz oben. Kann ich ihn morgen Früh bringen und den Wagen dafür haben?“ „Einverstanden!“ sagte der freundliche Herr. Und um ganz sicher zu sein fragte er: „Wohnst du in der Nähe?“ „Ja. Fast um die Ecke, in der Friedrichstraße.“ Beinah hätte der Herr Nummer acht hinzugefügt.

Der Weihnachtstag war da. Karla und Lotte spielten im Kinderzimmer. Plötzlich war Karla verschwunden. Lotte benutzte ihrer Abwesenheit, um den Dackel aus dem Regal zu holen. Sie klopfte an die verschlossene Wohnzimmertüre, hinter der die Mutter den Christbaum schmücken. „Mutti, hier ist mein Geschenk für Karla.“ Unterdessen klopfte auch Karla an eine Tür – an die Wohnungstür der Hausmeisterin im Tiefparterre.
„Guten Tag, Frau Janzen. Ich möchte jetzt den Puppenwagen holen.“ Karla hatte ihn heute Früh bei Frau Jansen abgegeben. Leise schlüpfte sie in den Flur. „Mutti!“ flüsterte Carla an der Wohnzimmertüre. „Hier ist mein Geschenk für Lotte.“ Während Karla und Lotte im Kinderzimmer flöteten, klingelte es. Das waren die Großeltern. Dann klingelt es wieder – das war Tante Paula. Jetzt waren alle versammelt, da klingelte es zum dritten Mal. „Wer kommt denn jetzt noch?“ fragte Vati ärgerlich. Karla und Lotte rannten zur Tür, aber Mutti war ihnen zuvorgekommen. „Wollt ihr wohl in eurem Zimmern bleiben, bis man euch ruft!“ Und dann klingelte es zum vierten Mal, silbern und süß, das war das Weihnachtsglöckchen. Vati spielt auf dem Klavier „Ihr Kinderlein kommet“. Die Tür ging auf – festlicher Glanz, der brennende Baum mit den Geschenken darunter. Ungläubig starte Karla auf ein Dackelpaar. Lotte ging auf ihre Lena im Sportwagen zu,
als ob sie träumte. „Der Wagen ist von Karla“, sagte Mutti. „Ja aber Lena…“, stotterte Lotte. „Lena ist vom Weihnachtsmann. Der eine Dackel auch. Es war ein netter kleiner Weihnachtsmann mit Brille und Glatze.“

Ich weiß nicht, wie oft ich diese Geschichte als Kind vorgelesen bekam und als Erwachsene selbst gelesen habe, aber eines weiß ich sicher: ich liebe sie noch heute. Sie erinnert mich an die wunderschönen Weihnachtsfeste und die Zeit mit meiner Familie, aber auch daran, was im Leben wirklich zählt: Etwas zu geben und dadurch selbst reich zu werden!

„Und dann klingelte es zum vierten Mal, silbern und süß, das war das Weihnachtsglöckchen.“

Als ich selbst Mama geworden bin, hat meine Mutter diese Tradition buchstäblich in meine Hände gelegt. Sie schenkte mir unser Familienweihnachstglöckchen, welches ich seither mit kindlicher Freude und Aufregung pur an jedem einzelnen Weihnachtsfest zum Klingen bringe. Und gleichzeitig bringt es etwas in mir zum Klingen! Das Bewusstsein und die Dankbarkeit für meine Familie und das Glück, einander zu haben und zu lieben! Und wenn meine Töchter Mama werden, werde ich das Glöckchen in ihre Hände legen.

Ich werde meinen Kindern auch dieses Weihnachten die Geschichte vom Weihnachtsmann mit Brille und Glatze vorlesen und mit jedem weiteren Jahr werden sie die Botschaft besser verstehen. Und für den Moment, diesen Augenblick, genießen wir unsere gemeinsame Zeit und sind einfach nur glücklich!

Und weil es in der Vorweihnachtszeit eben doch auch immer trubelig zugeht, möchte ich dir heute schon ans Herz legen. Nimm dir genau JETZT deinen Kalender und trage dir an einem Sonntag im Advent einen Termin für eine halbe Stunde ein. Macht euch einen Kakao, futtert Kekse an eurem Lieblingsplatz und lest die Geschichte vom Weihnachtsmann mit Brille und Glatze. Und wer weiß, vielleicht wird auch für euch mit den Jahren eine Tradition daraus?

Und so schließe ich den Artikel mit meinen einleitenden Worten:

Weihnachten bedeutet für mich mehr geben als nehmen, in fröhliche Gesichter zu schauen, Überraschungen, Glücksmomente, Kinderlachen, großzügige Gesten, wunschlos glücklich zu sein, kleine und große Wunder. Weihnachten erwärmt das Herz und bringt uns geliebten Menschen noch näher.
Weihnachten ist Magie pur!

All das wünsche ich euch und euren Familien von Herzen! Erschafft eure eigene Magie!

Ich wünsche euch aber auch die Gabe (nicht nur an Weihnachten), die wichtigen Dinge des Lebens, in euren Alltag mitzunehmen! Oft reichen schon zehn, fünfzehn Minuten Pause gemeinsam mit deinem Kind. Gemeinsam ein Buch lesen und sich so miteinander verbinden. Ruhe zu spüren und danach wieder mit mehr Kraft den Rest des Tages zu bestreiten.

Wenn dir die Geschichte gefallen hat und mein Artikel etwas in dir bewirkt hat, freue ich mich riesig, wenn du Teil der „Mein Liebchen Familie“ wirst und dich in meinen Newsletter einträgst. So verpasst du keine neuen Artikel und erhältst regelmäßig Inspirationen für gemeinsame Rituale, Traditionen und Werte, die euer Familienleben bereichern und euch ganz nah zusammenbringen.

Welche Geschichten lest ihr in der Weihnachtszeit? Habt ihr euren eigenen „Weihnachtsmann mit Brille und Glatze“?
Ich freue mich sehr, wenn ihr eure Geschichten mit mir und der „mein Liebchen Familie“ teilt.

Von Herzen – Fröhliche Weihnachten!

Liebe ist immer die Antwort!

Deine Caro

* aus dem Buch „8 Weihnachtsgeschichten“ – Schneider Verlag 1969

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